HISTORISCHER ABRISS
Die archäologischen Studien sind für Marina di Camerota ebenso
bedeutend wie für Palinuro, da sie von dem Ursprung der Ortschaft
in
wahrhaftig grauen urzeiten Zeugnis ablegen. Die ersten archäologischen
Entdeckungen fanden 1918 statt, als in einem oberhalb des Kap Grosso
gelegenen Weinbergs kleine Votivgefässe aus a Terrakotta, einige
mit
Kanolikaglasur überzogene Amphoren, i nebst Seinsarkophagen,
Grabstellen, zwei Bronzestatuetten und fünf silberne Statern ans
Licht
gebracht wurden Diese Funde griechischer Herkunft reichen ins 5. Jhdt.
zurück.
Von dem Ursprung des heutigen Marina di Camerota ist erstmals zu
Beginn des 17. lahrhunderts die Rede: in unmittelbarer Nähe des "degli
Infreschi" benannten Kaps war damals bereits eine Gebäudegruppe
entstanden,
die sich aus
einer kleinen Kirche, einer taverne, einer
Ölpresse für die Olivenverarbeitung, einem Lagerhaus zur
Aufbewahrung des Öls in Tonkrügen - alles Eigentum des Marquis
von
Camerota - zusammensetzte.
Die Tatsache, dass die wahre Ortschaft erst viel später entstand,
ist darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung es infolge
der vom Meer aus drohenden Gefahren im Laufe der Jahrhunderte vorzog,
im Hinterland in einiger Entfernung von der Küste zu wohnen. Die
Gefahren waren natürlich ausschliesslich mit den fortwährenden
Einfällen der Seeräuber und später der Sarazenen, verbunden.
Als die Behörden des Königreiches Neapel dann tatkräftig
eingriffen und an der Küste entlang eine Anzahl von Befestigungen
zur Verteidigung der Gegend - von denen heute noch Überreste, wie
z.B. Türme und Schlösser, erhalten sind - errichteten, fassten
die in der Gegend Ansässigen nach langen Angstzuständen langsam
Mut und widmeten sich mit zunehmendem Fleiss jenen Betätigungen,
die mit Ablauf der lahrhunderte für die Wirtschaft dieser fortwährend
in Entwicklung und Aufschwung begriffenen Gegend entscheidend wurden:
Fischerei und die damit verbundenen Handwerke.
Marina di Camerota zeichnet sich jedoch in erster Linie durch seine aussergewöhnlich
lieblichen Landschaftsbilder aus, die heute noch vom frenetischen Rhythmus
des Verbrauchs und Maschinenzeitalters unberührt geblieben sind.
DER PRÄHISTORISCHE MENSCH VON CAMEROTA
Unweit von Lentiscella befindet sich die sogenannte Grabgrotte (Grotta
Sepolcrale), in der 1954 die Reste des prähistorischen Camerotaners,
eines Menschen aus der Altsteinzeit, der zwischen sechshunderttausend
und fünfunddreissigtausend lahren vor Christus,
also der Zeit des Neanderthalers, lebte. Von letzterem unterschied er
sich durch sein vorspringendes Kinn. Es wurden insgesamt 347
Knochenstücke gefunden, die von mindestens sechs verschiedenen Personen
herrühren.
Von grossem Interesse erscheint die Tatsache, dass in keiner der
beiden prähistorischen Grotten unversehrte Schädel gefunden
worden
sind, was die Annahme einiger hervorragender Gelehrten bekräftet,
dass die Menschen zu jener Zeit das Gehirn ihrer Verstorbenen assen
um daraus Kraft und Leben zu ziehen.
WIRTSCHAFT UND GEOGRAPHISCHE LAGE
6,5 km von Palinuro entfernt liegt die Ortschaft Marina di Camerota,
dessen biesiedeltes Gelände im Halbkreis verläuft. Die Ortschaft
selbst,
wie auch ihre unmittelbare Umgebung, sind mit hochgewachsenen,
hun dertjährigen
Olivenbäumen üppig bewachsen, deren silbergrünes
Laub einem schon in sich wunderbaren Landschaftsbild einen
zusätzlichen, zauberhaften Reiz verleiht. Der in ihm eingebettete
Hafen
strebt mit seinem Pier in Richtung Südwesten in das Meer hinaus.
Der Hafen ist zweifellos der eindrucksvollste, und bedeutendste
gemeinnützige Bau dieser Gegend, vor allem weil sich dort das ganze
Jahr über das wirtschaftliche Leben der gesamten Ortschaft entwickelt.
Tausende Tonnen Fisch werden im Laufe des lahres für die Einwohner
der Ortschaft selbst und der umliegenden Städte ans Land gebracht.
Alles andere als durch Zufall zählt die Fischereiflotte von Marina
di
Camerota demnach zu den berühmtesten des Landes. Sie ist vor allem
auf Thunfisch, Sardellen, und Schwertfischfang ausgerichtet.
Unter den bekanntesten wirtschaftlichen Betätigungen ist eine
besonders nennenswert, deren Ursprünge bis in die Anfänge
des 18,
Jahrhunderts zurückreichen: die handwerkliche Lehmverarbeitung,
die
Vasen und Behälter jeglicher Form hervorbringt. Besonders typisch
sind
die sogennanten "mommole", die berühmten porösen
Krüge, in denen
das Wasser lange frisch bleibt. Die Erzeugung von gebrannten
Tonkrügen und Geschirr ist heute noch ein blühender und ertragreicher
Wirtschaftszweig. Die Erzeugung von Espartograsseilen, die bis vor
Kurzem noch in der Miesmuschelzucht Verwendung fanden, ist
hingegen gänzlich aufgegeben worden.
DIE KÜSTE
Die langgestreckte Küste der zwischen Palinuro und Scario zieht
sich
vom dicht an Palinuro angrenzenden Badestrand Mingardo bis zum
Badestrand Mergellina am entegegengesetzten Ende, d.h. anstossend
an Scario, 22 km lang hin. Ihr sandiger Strand gehort zu den
berühmtesten des Mittelmeers. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der
Touristen zu, die auf ärztlichen Rat in dem ausserst feinen Sand
Sonnenund Sandkuren betreiben. Der Meeresgrund lockt mit
mannigfaltigen Gewächsen und dem Fischreichtum einer üppigen
Natur.
Er birgt keinerlei Gefahren, sondern ist vielmehr an zahlreichen seichten
Stellen durchaus leicht erreichbar.
Auch an der Küste von Marina di Camerota sind zahlreiche Grotten
und
Badestrände zu finden. Geht man vom Fluss Mingardo aus, an dessen
Mündung sich der typische, gleichnamige Fels majestätisch
erhebt,
stosst man gleich auf die sich einander engänzenden zwei Badestrände
Mingardo und della pineta". Von März bis Oktober bietet ersterer
glühenden Sonnenschein und letzterer hingegen die angenehme Frische
eines schattigen Pinienhains. Hart an diese Badestrände grenzt
die
ausgedehnte sandige Landzunge des "Meeäschenstrandes"
(Gala del
Cefalo). Sodann folgen eine Anzahl von Grotten mit gähnenden
Öffnungen: die grossartige Capraragrotte, nach dem Schäfer,
der sie mit
seiner Familie bewohnte, auch Markusgrotte benannt; die sogennante
Autarogrotte, und die hart an den Meeräschenstrand angrenzende
Fischgrotte (Grotta del Pesce); dort schliesst die nicht weniger
zauberhafte Bucht Gala Finocchiara an.
Nachdem man die inmitten von stufenweise abfallenden Felsen
eingebettete Bucht Gala d'Arconte und den hoch emporragenden
gleichnamigen Turm hinter sich gelassen hat, gelangt man zum Capo
Grosso, einem ins Meer hinausstrebenden Vorgebirge, hinter dem der
nach ihm benannte Badestrand mit seinen tiefen malerischen
Einbuchtungen zu ruhigem und erholendem Verweilen einlädt. Diese
Einbuchtungen sind infolge der zahlreichen Seeigel (griechisch Echinos
= Seeigel) "Cala degli Ecini" benannt.
Nach Osten hin stösst man hingegen auf den sichelförmig ausladenden
Badestrand Lentiscella der von hundertjährigen Olivenbäumen
eingefasst ist. Links gelegen ist die von Land aus zugängliche,
sogenannte Schlüsselgrotte (Grotta della Chiave), deren Bezeichnung
von der an ein Schlüsselloch erinnernden Öffnung herrührt.
Hart anstossend an das folgende kleine Vorgebirge erblickt man den
wuchtigen Turm Torre Zancale und die Bucht Gala Fortuna mit ihrem
bezaubernden kleinen Strand. Hoch oben auf einem Felsvorsprung sind
noch die Ruinen eines römischen Tempels der Glücksgöttin
sichtbar.
Sodann gelangt man zu den sogenannten "Faraglioni", einer
Gruppe
von drei Felsen, die gleich grossen Walfischen aus dem Wasser
hervorragen, und zu zwei weiteren Buchten: der Gala Montediluna mit
dem gleichnamigen Berg dahinter, und der Gala Magnosa, deren
Bezeichnung von einem Felsen herrührt, dessen Form an einen
Hammeffisch (= im Dialekt dieser Gegend "magnosa") mahnt.
Weiter
fortschreitend folgen, der Reihe nach erwähnt: die eindrucksvolle,
mit
zwei Öffnungen versehene Grotte "del Pozzallo"; der kleine
Strand von
Calabianca; das Kap "Punta Iscolelli", von dem aus man einen
wunderschönen Ausblick auf den Golf von Policastro geniesst; die
Bucht "Gala di Falconara"; die Taddäusgrotte (Grotta
di S. Taddeo); die
Grotte "delle noglie" - so benannt nach den charakteristischen
wurstförmigen Stalagmiten (noglie = Würste in Dialekt dieser
Gegend).
Auf letztere folgt der natürliche Hafen "Porto degli Infreschi",
eine
ausgedehnte Bucht mit zahlreichen Höhlen ringsherum, aus denen
frisches Wasser hervorquillt. Der im Altiateinischen "Anphorisca"
lautende Name "Infreschi" bezieht sich auf die Frische sowohl
des
Quellwassers als auch der ganzen Bucht. Die zahlreichen Auszackungen
dieser bis hin zum Mergellinastrand ununterbrochen gegliederten Küste
erinmern an die typisch skandinavischen Fjorde.
LANDZUNGE
VON INFRESCHI
Äußerster Zipfel einer abwechslungsreichen Küste, wilde
Felsenriffe
zaubern eine Anzahl von wunderschönen Farben hervor, ein einmaliger
Anblick, welcher den Touristen in helle Begeisterung versetzt.
Aus einer kleinen Quelle zwischen den Felsen sprudelt munter eine
Quelle, sehr zur Freude der Badegäste, die sich an ihr erfrischen
können.
Die Frische des Wassers und die Kühle des Ortes, der Schutz gegen
die
sengenden Sonnenstrahlen bietet, erklärt den Namen INFRESCHI (im
Frischen), welcher bei den Vorfahren Anphorisca lautete.
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